Chat with your Model: KI & Governance am Bau
Shownotes
„Don’t touch a running system“? Wer in der Baubranche so denkt, hat den Anschluss bereits verloren. Gemeinsam mit André Friedel legen wir die Finger in die Wunden des Managements und entlarven die Blind Spots, die Projekte unnötig teuer machen. Schluss mit der Ignoranz: Warum Auftraggeber Digitalisierung nicht mehr als Option, sondern als Überlebensstrategie einfordern müssen. Ein Deep Dive über Datenhoheit, das Ende der Tool-Verliebtheit und den harten Weg zur echten Governance.
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LinkedIn: Thinkproject
Webseite: www.thinkproject.com
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Max: Sollten wir BIM als Basswörter in der Bauindustrie abschaffen und vielmehr auf Building Information Management ableiten? Inwieweit hat Virtual Design und Construction bei der Digitalisierung heute noch viel mehr Gewicht als noch in der Vergangenheit? Und was hat eigentlich der Begriff digitaler Ingenieurbaukunst in der heutigen Zeit noch zu tun? Weiterführende Frage, inwieweit korrelieren das Empire State Building mit Stuttgart 21 mit 100 Jahren dazwischen? Wir hatten Marius Reuters als BIM-Experte heute zu Gast, der uns noch viel mehr Einblick in das ganze Thema geben kann. Hi Marius, hi und willkommen. Schön, dass du bei uns bist.
Marius Hoyters: Vielen Dank Max. Danke, dass ich hier sein darf.
Max: Magst du mir bzw. Unseren Zuhörern hier nochmal kurz eingegeben, wer du bist, was du machst, dass ich so ein Gefühl bekomme, mit wem wir heute reden dürfen?
Marius Hoyters: Klar, sehr gerne. Also mein Name ist Marius Hoyters, ich bin Produkt- und Sales Manager bei der eBONT Software GmbH. Ich bin hier auch Leiter des BIM-Kompetenzzenters und Leiter der Kundenberatung und kümmere mich grundsätzlich das ganze Thema BIM, das heißt Digitalisierung in der Baubranche, speziell in der Infrastruktur, was unser Steckenpferd ist.
Max: Du bist bei der eBONT, kannst du mir den Zuhörern uns ein kurzes Gefühl geben, wie viele Projekte ihr gemacht habt, wo ihr euch einsortiert und positioniert?
Marius Hoyters: Genau. Wir sind die IBNT Software GmbH, ein klassischer Softwarehersteller mit der Software für Straßenplanung, Schienenplanung, Vermessung, alles was zur Infrastruktur dazugehört. Uns gibt es jetzt seit 40 Jahren. Wir feiern dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum und sind seitdem auch am Markt sehr breit vertreten. Wir selbst machen keine eigenen Bauprojekte. Das machen unsere Kunden, die großen Auftraggeber, große Auftragnehmer, aber auch ganz kleine Büros. Wir sind also allerhöchstens beratend in den Projekten tätig.
Max: 40 Jahre ist schon eine relativ lange Zeit. Kannst du mir, also gerade jetzt in dem ganzen Wandel in Richtung Digitalisierung im Bauwesen, Was bedeutet das für dich und warum begeistert dich das bis heute?
Marius Hoyters: Ja, es ist eine ganz spannende Frage. Ich glaube, es gibt keine Zeit, die so lebendig war wie die heutige. Du hast gerade das Stichwort Digitalisierung und digitaler Wandel genannt. Es ist eben genau das, woraus es heutzutage ankommt. Wir müssen bestehende Prozesse, die wir seit 50 Jahren und noch länger in der Baubranche haben, überdenken. Wir haben dadurch natürlich neue Möglichkeiten, neue Chancen, einfach Bauprojekte, Ich meine, wir können die Klassiker nennen wie Stuttgart 21, wie die Hamburger Elbphilharmonie, wie der Flughafen in Berlin. Das sind alles Projekte, die müssen wir neu denken. Und da haben wir jetzt einfach eine Riesenmöglichkeit, die bestehenden Workflows und Prozesse mal neu zu denken.
Max: Du hast das schön angerissen mit den Großprojekten. Logischerweise, die Digitalisierung ändert sich sehr viel. Also ich meine, nebst der Tatsache, dass neue Tools in der Software, aber auch neue Werkzeuge, Materialien in der ganzen Bauphase dazugekommen sind, Hast du auch das Gefühl, dass sich hier Chancen ergeben, einfach effizienter, besser, konkreter, schneller zu werden? Wie siehst du das? Wie seht ihr das mit euren Kunden bei den Projekten?
Marius Hoyters: Also es sind Chancen und Risiken gleichermaßen. Natürlich überwiegen die Chancen. Ich meine, wenn ich nur ein bisschen aus meinem Leben erzählen darf. Ich habe 2016 erst meinen Bachelor gemacht zum Thema BIM, Building Information Modelling, und ich habe gemerkt, das kommt in der Baubranche, das muss kommen. Ich bin da auch auf die Nase gefallen. Ich werde dieses Jahr eine Wette verlieren, dass bis 2025 alle Projekte rein modellbasiert ablaufen. So weit sind wir noch nicht. Das habe ich vor fast 9 Jahren noch gedacht.
Marius Hoyters: Nun ist es aber so, dass vor allem durch den digitalen Wandel, durch neue Tools auch einfach die bestehenden Prozesse wirklich überdacht werden müssen. Das heißt also, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, ganz klar. Und wir machen das, was immer funktioniert hat. Und wenn es nicht so gut läuft, dann lief es ja nicht so gut. Und jetzt haben wir eben eine Chance, wirklich auch durch nachwachsende Generationen, durch Digital Natives und einfach Menschen, die mit der Technik aufgewachsen sind oder jetzt am Aufwachsen sind, haben aber neue Chancen, neue Möglichkeiten, einfach auch die Baubranche ein Stück weit zu revolutionieren. Und da sind wir jetzt als Softwaresteller natürlich vorne mit dabei.
Max: Das ist super spannend, dass du das anreißt. Vor über 10 Jahren war das Thema BIM logischerweise schon riesengroß. Ich weiß nicht, ob du das auch so wahrnimmst, aber zu der Zeit war es tatsächlich so, BIM heißt, wir bauen 3D-Gebäudemodelle, wir wollen das irgendwie in 3D haben. Dann ein bisschen später kamen noch Simulationen dazu. Klar, da gibt es wahnsinnig starke Tools. Wenn ich mir aber heute anschaue, wenn wir über BIM sprechen, rutscht dieser 3D-Aspekt, ich will nicht sagen, zur Seite, Aber die Diskussion bei der Digitalisierung, beim Bau, beim auch im Virtual Design & Construction erweitert sich bei uns, das sehen wir, ganz, ganz stark in Richtung 3D plus alles in Information dazu. Das heißt, diese eigentliche Chance, die ich hier sehe, ist nicht nur, dass wir in 3D modellieren, sondern dass wir viel weitergehen und sagen, die ganzen Daten, die wir haben, setzen wir in den 3D-Kontext und fügen viel mehr Daten hinzu. Das sehe ich persönlich als riesige Chance, hier weg von dem 3D-Modell zu kommen, hinzu, ich habe eigentlich Datenmanagement hintendran, das ist mir viel wichtiger als das eine 3D-Modell.
Marius Hoyters: Da möchte ich dir gerne sowohl zustimmen als auch widersprechen. Ich glaube vor 10 Jahren war das Thema BIM gar nicht mal so groß. Da war das Thema 3D-Modellierung im Hochbau, wenn man die Branche für sich nimmt, sehr groß. In der Infrastruktur hat das überhaupt keine Rolle gespielt. Da kam jetzt der Stufenplan 2015, der das Ganze überhaupt erst mal angeschoben hat, das Thema BIM in der Infrastruktur. Jetzt hast du noch weitere Begriffe genannt, VDC, Virtual Design and Construction. Ich übersetze das gerne auch immer für unsere Anwender auch wörtlich. Was bedeutet das? Virtuell planen und bauen.
Marius Hoyters: Und ich habe erst diese Woche einen Artikel gelesen auf LinkedIn. Ist VDC das neue BIM? Ist das virtuelle Planen und Bauen gleich BIM? Und da sage ich ganz klar nein. Virtuell planen und bauen ist auch das, was du gerade gesagt hast. Das ist das Thema 3D-Modell und das Thema Datenmanagement, was wichtig ist. Aber der wichtigste Faktor und das kommt auch in den letzten 3, 4 Jahren immer wieder mehr zum Vordergrund, ist der Faktor Mensch. Weil der Faktor Mensch ist derjenige, der die Prozesse ändern muss, der die Workflows ändern muss, der seine Arbeitsweise ändern muss. Und die Menschen wollen und müssen mitgenommen werden, müssen überzeugt werden und den Mehrwert von neuen Planungsmethodiken, wie eben dem virtuellen Planen und Bauen, erstmal begreifen und dann auch den Mehrwert erkennen. Von daher, virtuell planen und bauen, 3D-Modelle, Datenmanagement, ja, super wichtig.
Marius Hoyters: Aber der Faktor Mensch, ohne den geht es einfach nicht. Von daher ist das, wo ich dir widersprechen würde, sondern das, was wirklich am wichtigsten ist.
Max: Es geht darum, die Leute mit den Menschen aus ihren Strukturen, gewohnten Strukturen, ganz plakativ, der 2D-Planung raus zu sagen. Wir reden nicht nur zwingend von zusätzlichen Dimensionen der Dritten, sondern wir reden von den ganzen Informationen, die dahinter stehen, der Nachnutzung.
Marius Hoyters: Es ist nicht nur die zweite Planung, die abgeschafft wird, die man überdenken muss, sondern auch das Miteinander am Bau. Bislang war es so, ich gehe auf die Baustelle, wenn ich der Erste bin, dann entscheide ich, wo die Kabel entlang gehen. Es ist kein Miteinander, es ist keine Kommunikation, es ist eher so ein Kampfkrieg am Bau. Und genau davon wollen wir wegkommen. Wir wollen hin zu 1 transparenten Planung, zu einem transparenten Bau und ein Miteinander bauen. Und das ist, glaube ich, wie gesagt, das ist gerade dieser, wir können es Kulturwandel nennen letztendlich, der da angeschritten werden muss.
Max: Das ist ganz spannend. Stimme ich dir uneingeschränkt zu. Ich glaube, das ist insbesondere, und das sehen wir nur, weil wir auch international arbeiten, das ist ein ganz, ganz arges Problem, insbesondere in Deutschland, durch diese heterogene Planungs- und Ausführungslandschaft. Also in jedem Projekt hast du einen neuen GU, du hast neue Planer, du hast einen neuen Bauherrn. Das ist Wahnsinn. Das ist in anderen Ländern tatsächlich ein bisschen anders. Und was ich ganz spannend fand, ich hatte mir am Wochenende noch ein Buch gelesen, How Big Things Get Done. Und da hatten sie ein wunderschönes Beispiel gepackt, was so perfekt in unsere Expertise passt, und zwar über das Empire State Building.
Max: Ich glaube, jeder kennt es, dieser bleistifteske, ikonische Bauwerk mitten von New York. Interessanterweise, mir war das nicht bewusst bis dahin, die haben dieses komplette Gebäude durchgeplant. Also wirklich von, die wussten Vorbauausführungen, vor dem ersten Spatenstich, wie viele Nieten die brauchen, wie viele Stahlträger die brauchen. Die wussten, wann welche Kranfahrt fährt. Die wussten faktor auch, dass sie direkt einen separaten Lift für den Personen parallel zu dem ganzen Materialtransport brauchen. Hatten im Average so ein Stockwerk pro Tag geschafft. Das war Wahnsinn. Teilweise 14 Stockwerke in 1 Woche in den Peak-Zeiten.
Max: Und das finde ich so sehr beeindruckend, dass wir da auch diesen menschlichen Faktor haben sind davon, die haben vorher alles geplant. Jede Kranfahrt war geplant, jedes Gewerk war geplant. Natürlich, die haben zu der Zeit auf Material und Techniken gebaut, die gesetzt waren, also nicht rumexperimentiert, aber die haben es geschafft, dieses Gebäude zu der Zeit unter Budget und unter Zeit zu bauen. Es ist absolut beeindruckend. Natürlich mit vielen Negativbeispielen, du hast ein paar genannt, aber das läuft auch so ein bisschen in die Richtung, weil das ist angerissen, digitale Ingenieurbau-Kunst. Ich glaube, was wir immer wieder feststellen, ist, wir nutzen 3D-Modelle, BIM, BIM-Kollaboration ganz oft als maßgebliche Visualisierung, zu gucken, wann, wo was wie lang läuft. Wir haben auch teilweise die Simulationen, wie baut sich das auf. Aber genau dieser Effekt zu sagen, wir planen es gut, bevor wir den ersten Spatenstich machen.
Max: Ich glaube, das ist auch ein Kulturwandel, der gerade in Deutschland immer noch maßgeblich dazu führt, dass wir diesen von dir benannten Kampf auf der Baustelle bis heute haben. Im Sinne von, wenn ich schneller baue als meine Planer, dann habe ich entschieden, wo das Ding lang geht, dann sollen das in der Planung enden, aber ich bin durch mit meinem Gewerk. Das ist Wahnsinn, wenn man das auf die Zukunft anwendet.
Marius Hoyters: Absolut. Weißt du, wann der Bau des Empire State Buildings war?
Max: 1930. Wahnsinn. Es hat noch
Marius Hoyters: nichts mit Modellen zu tun gehabt zu dem Zeitpunkt, sondern Es war wahrscheinlich auch alles planbasiert und ganz sicher noch auf einem Blatt Papier mit Tuschelgezeichnung. Aber das eben so durchzudenken ist wirklich Ingenieurbaukunst. Dieser Begriff digitale Ingenieurbaukunst, ich liebe ihn. Digitalisierung ist so viel. Es ist digitale Souveränität, digitale Lösungen schaffen. Aber eben auch, ich meine, Stuttgart 21, wir müssen gar nicht nach Amerika gehen. Wenn man sich den neuen Bahnhof anschaut, und ich war schon auf der Baustelle, das ist die reinste Ingenieurbaukunst. Wenn man das Ganze eben digital als Modell vorab plant, mit den ganzen Daten, die du genannt hast, mit den Prozessen, die am Modell durchgeführt werden, wie eine Terminplanung, wie eine Kostenplanung, wie ein Mängelmanagement am Modell, da haben wir so einen riesen Mehrwert.
Marius Hoyters: Und diese Ingenieurbaukunst, und wir haben, wenn man so sagen möchte, viele, also unzählige Künstler in Deutschland, auch der neue Fehmarn-Belt-Tunnel, ebenfalls ein Projekt, an dem der VDC-Manager und auch andere ThinkProject-Produkte beteiligt sind. Es gibt so tolle Bauprojekte, wie gesagt, Ich selbst bin im Softwareunternehmen, ich bin nicht mehr auf der Baustelle. Aber wenn ich sehe, was da die Kollegen vor Ort wirklich planen und sich aus den Fingern ziehen, das kann man nur als digitale Ingenieurbaukunst bezeichnen.
Max: Wie verändert sich das? Ich meine, wir reden von Tools, Wir reden davon, wir gehen weg von Papier hin zu Werkzeugen, Digitalwerkzeugen. Eine Stütze oder ein Gleis zu kopieren, einzufügen, das geht inzwischen sehr schnell, weil ich keinen Tisch mehr brauche. Dort verändert sich aber enorm viel, weil ich viel früher wissen muss, was ich wirklich plane, was ich da hinbaue, richtig?
Marius Hoyters: Ja, absolut, absolut. Also wenn ich jetzt einen Vergleich zu unserer Software CAD1 ziehen darf, wir haben eine neue Technologie implementiert, die Smart Infra Modeling Technology. Dabei geht es nicht darum, dass wir ein 3D-Modell erstellen. Das ist sicherlich oder das ist ein Ergebnis des ganzen Prozesses. Aber viel wichtiger ist, dass wir automatisiert, richtlinienkonform, regelkonform und viel schneller, ich sage mal mindestens Faktor 10 für bestimmte Bereiche, Trassen planen können, sei es eben Straßen, sei es aber auch zukünftig Bahntrassen. Und Das sind neue digitale Werkzeuge, die natürlich Anwendung finden müssen in der Praxis, aber es auch heute schon tun. Damit sind wir deutlich flexibler. Und was immer ein bisschen das Problem ist, wenn Ingenieure in der kommenden Arbeitsweise etwas ändern müssen, ist das eine Menge an Aufwand.
Marius Hoyters: Das heißt, in der Regel ist es eine Zeichnung, die noch kopiert wird, sie wird angepasst. Es ist viel händische Arbeit mit den neuen Werkzeugen. Ist das ein Parameter im Modell ändern und schon wird die ganze Trasse neu gerechnet. Also Dort muss man einfach mit der Zeit gehen und sich die neuen Tools, das war jetzt über CAD1, aber es gilt genauso gut über den VDC Manager als Beispiel, einfach mit der Zeit gehen und diese Chancen auch nutzen als Planer. Sind wir real schneller, wenn wir mit digitalen Tools planen? Unterm Strich definitiv. Jetzt aktuell in so 1 Einführungsphase auch ganz sicher nicht. Also wir müssen die Werkzeuge erst kennenlernen, wir müssen uns schulen, wir müssen damit vertraut werden. Wir müssen auch, böses Wort hier, Objektkataloge, also Objekte definieren mit entsprechenden Attributen und Merkmalen, die dort dran stehen.
Marius Hoyters: Das ist eine Menge Arbeit, die aktuell läuft und die Implementierung dauert auch eine gewisse Zeit. Aber wir wissen es auch von den Unternehmen, die bereits digital arbeiten, die sind vielfacher schneller. Sie können mittlerweile zu günstigeren Preisen anbieten, als sie es in der konventionellen Arbeitsweise gemacht haben.
Max: Wenn Sie nativ digital planen, das ist der entscheidende Punkt. Also wenn Sie nicht aus dem 2D-Modell dann 3D wieder hochziehen, sondern wenn Sie von Hause aus, von Anfang an im 3D beginnen. Also auch wenn wir jetzt wieder, wir brechen es ein bisschen runter auf den Anfang, Ich meine, ich rede von 3D, aber ich beginne natürlich mit dem 3D-Objekt. Wenn ich damit von Anfang an beginne, weiß ich relativ genau, wo ich bin, kann die Parameter anpassen und kann dann halt an das Element, und dann kommt wahrscheinlich der entscheidende Effekt, an das Element, an die Modelle, alles Informationen dranhängen, die ich später brauche. Egal, ob das ein Mangel ist, ob das Materialqualität ist, ob das bei einem Einbauteil eine Revisionshistorie ist, die ich später dranhänge, dann geht diese Digitalisierung eigentlich weiter. Ihr sitzt mit CAD I am Anfang der Planung, wenn es Richtung Infrastrukturprojekte geht,
Marius Hoyters: korrekt? Korrekt, ja. Vermessung, Planung, teilweise aber auch Bauausführung. Auch die Strabagas Riesenunternehmen nutzt CAD1 in ihrer Bauausführung. Aber zunächst mal sitzen wir am Anfang und müssen das Modell erstellen, vollkommen richtig.
Max: Genau. Das heißt, Virtual Design & Construction, also die digitale Planung und der digitale Bau, rutscht ja in einen ganz, ganz wesentlichen Teil. Also gerade wenn die Simulation, ich überspricht es mal ganz bewusst, Simulation, die ich jetzt mit Kosten oder eben mit Ausführungszeiten mache, einen Bauablauf planen, ist ja faktisch ein digitales Bauen an der Stelle schon, dass ich nachvollziehen kann, wann was wie wo passiert.
Marius Hoyters: Absolut richtig.
Max: Spielt das bei euren Kunden eine essentielle Rolle, in diese Richtung zu gehen, also gerade Simulation, die
Marius Hoyters: Sachen durchzuspielen? Ich würde mir wünschen, ich könnte jetzt ganz klar mit Ja antworten, kann ich leider nicht, weil die Kunden momentan auch nur das machen, was die Auftraggeber fordern oder die meisten Kunden zumindest. Und dann sind wir wieder beim Thema Use Cases, Anwendungsfälle. Also was möchte ein Auftraggeber mit einem Modell erreichen? Möchte er es auch für ein Thema modellbasierter Terminmengenermittlung nutzen? Oder möchte er vielleicht einfach nur ein 3D-Modell haben, schon vernünftig kommunizieren zu können? Denn wir sind wieder beim Menschen am Ende. Der Mensch muss einen Plan interpretieren oder der Mensch sieht ein Modell und versteht es direkt. Deswegen ist es leider noch nicht so, dass alle eben durchgängig digital arbeiten mit allen Möglichkeiten, sondern das ist leider noch sehr häufig aufschnittgeberabhängig.
Max: Lass mich eine provokante Frage stellen. Führt das virtuelle Planen und Bauen dazu, dass wir ein Umdenken in der gesamten Industrie bekommen? Also dass wir weg von ich plane nur für die Ausführungen hin, ich plane komplett digital in erster Linie für den Betrieb und die Ausführung ist eigentlich bloß ein kleiner Nebeneffekt, den ich dabei habe?
Marius Hoyters: Ich glaube nicht. Du hast vorhin selber gesagt, dass die Baubaubranche in Deutschland eben sehr heterogen ist. Das heißt also vor allem werden häufig Aufträge nur für bestimmte Leistungsphasen vergeben. Das heißt also, wenn ich jetzt ein Projekt habe und ich soll mich in der Leistungsphase 1 bis 4 kümmern, dann ist es mit der Betriebsweise als Planer völlig egal. Und da werde ich auch nicht darüber nachdenken, wenn es nicht irgendwo in den AIAs, in den Auftraggeberinformationsanforderungen drin steht, dass der Auftraggeber das am Anfang schon mitgedacht haben möchte. Ziel ist das und die Methodik, das virtuelle Planen und Bauen, das BIM, Building, Fashion Modeling, liefert genau die Werkzeuge, den kompletten Lebenszyklus mitzudenken. Ob es genutzt wird? Ich glaube in anderen Ländern mehr als bei uns.
Max: Aber es wäre eigentlich Aufgabe vom Auftraggeber, das am Anfang mit reinzunehmen. Am Anfang bei dem Plan schon zu sagen, ich möchte es betreiben und dafür brauche ich die Daten. Und das inkludiert das 3D-Modell und alles andere, was dazukommt, auch den ganzen Bauablauf, da hat Nero zu reinkommen, dass ich das alles mitnehmen kann.
Marius Hoyters: Genau, da gibt es ja auch entsprechende Vertragskonstellationen, wo entsprechend Planer, Bauherr und Betreiber und auch Bauausführungsunternehmen wirklich an einem Tisch sitzen und von Anfang an das Projekt gemeinsam gestalten.
Max: Was ein Riesenschift ist, definitiv ein Riesenschift. Und da hilft der digitale Austausch definitiv. Du hattest zwischendurch, und ich gehe mal auf diese Heterogenität zurück, wir haben gerade in Deutschland extrem heterogene Situationen, wenn es eben zu einem neues Projekt, neuem Auftraggeber, neuer GU, neue Nachhineinunternehmer angeht. Das ist das eine. Das Gleiche stellen wir auch bei den Planern fest. Ich meine, mit jedem neuen Projekt hast du ein neues Planerteam, du hast einen neuen Startdecker, du hast einen neuen Architekten, was auch immer damit dazukommt an der Stelle. Das heißt, wie schafft man das Smart Infra Modeling zwischendurch mal kurz erwähnt, wenn du das vielleicht noch mal kurz erklären könntest, was es ist und vor allem die Frage, weil ihr mit vielen Planern zusammenarbeitet, wie schafft ihr es, diese ganzen vielen Gewerke und Fachbereiche eigentlich miteinander zu integrieren, dass sie miteinander kollaborieren, auf diesen Effekt von diesem Empire State Bill eigentlich hinzukommen, zu sagen, ich weiß schon vor dem Ausführungen relativ genau, wann ich was wie mache, was jetzt aktuell mit diesen heterogenen Standards, mit diesem Dateiaustausch immer noch schwierig ist. Wie schafft ihr das?
Marius Hoyters: Die erste Frage zu beantworten, also die Smart Inframalling Technology basiert letztendlich auf Regelwerk und Richtlinien. Das heißt, wir haben in Deutschland enorm viel standardisiert, wenn es den Straßenbau geht, als Beispiel, oder auch den Bahnbau. Es gibt dort Richtlinien für die Anlage von Landstraßen, von Autobahnen, von Stadtstraßen, was auch immer. Es gibt Vorgaben für den Oberbau, wie der auszusehen hat, bei 1 bestimmten Belastungsklasse. Und all diese Parameter, wie letztendlich eine Straße aufgebaut wird, die haben wir vollständig in das Software integriert. Das heißt also, ich muss nicht mehr selber sagen, ich brauche jetzt 10 cm Deckschicht oder sowas, sondern da gehe ich einfach her und sage, ich habe eine Belastungsklasse, ich habe 37 LKWs, die da pro Stunde drüber fahren. Daraus resultiert eine Belastungsklasse und dann kann das System automatisch den 3D-Aufbau auch generieren. Das heißt erstmal quasi, dass da dem Ingenieur ganz viel Arbeit abgenommen wird, der natürlich trotzdem immer noch das Ganze bewerten und anpassen muss.
Marius Hoyters: Das heißt, da liefern wir einfach neue Werkzeuge, die Daten, Ausrichtlinien, aber eben auch aus allen Informationen, die wir haben, entsprechend an die Modelle sofort heranschreiben für eine spätere Nutzung. Und dann der zweite Teil der Frage, wie sorgen wir dafür, dass auch verschiedene Gewerke miteinander reden? Wir als Karte 1 allein können das nicht. Wir als IP&T. Mit unserer Lösung Karte 1 machen wir die Infrastrukturplanung, sprich Vermessung, Straßenplanung, Bahnplanung etc. Wenn jetzt aber bei der Deutschen Bahn ein klassisches Beispiel der Bahnhof geplant wird, das Gebäude, der Bahnsteig etc., das sind entsprechend Sachen, die kommen eher aus der Hochbaubranche, die vielleicht in anderen Tools oder ganz sicher in anderen Tools modelliert werden. Deswegen haben wir auch schon frühzeitig seit 7 Jahren auf Produkte von Firmas in Project gesetzt, wie jetzt den VTC Manager, früher noch bekannt als D-Site BIM, ganz einfach den Prozess durchgängig bedienen zu können. Das heißt, es kommen Modelle aus unserem System, aus dem CAD1, es kommen Modelle aus anderen Systemen von anderen großen und kleinen Herstellern und die werden dann in einem Gesamtmodell zusammengefügt, damit entsprechend dann, wie du es gesagt hast, die digitale Baustelle dort auch digital vorgeplant werden kann.
Max: Dann gibt es natürlich nicht nur unser Tool mit dem WDC-Manager, sondern eine ganze Tool-Vielfalt. Und das ist eine Sache, wo gerade jetzt im Bau, in dieser Blütezeit der Tools, nehmen wir das Beispiel aus der aus der Digitalbau 2024, dort gab es tatsächlich für jeden einzelnen Anwendungsfall ein Softwarehersteller auf der Messe. Also das war der absolute Wahnsinn, wie viele Anbieter es für Bautagebücher, für 3D-Modellierung, nicht nur für Bautagebücher, für Protokolle und für einige, das ist der absolute Wahnsinn, was da gerade an, im weitesten seine Blüten hochkommen, dass ich mir als Kunde, weil ich so ein komplettes Toolset von 50 Herstellern zusammenstecke, kann ich jetzt alles abdecken. Das Thema ist natürlich auch so ein Fallstrick, wenn ich Richtung digitale Planung und Bau gehe. Wie wähle ich die richtigen Tools aus? Wie beratet ihr eure Kunden, wenn es darum geht, hey, ich will mich digitalisieren? Ich möchte dahin kommen, dass ich, du hast es so schön gesagt, regelwerkbasierte Modelle, ein geiler Begriff, also kam es nicht direkt von dir, aber ich bin abgeleitet, dass ich sage, anhand meiner Belastungsklasse weiß das Tool automatisch, was für einen Straßenquerschnitt, was für Deckschichten und was für Materialqualität ich nehmen muss. Wenn ich da starte, gehe ich ja hin und brauche weitere Tools, das zusammenzubringen. Ich habe aber eine Strategie, irgendwo komplett zu digitalisieren, aber trotzdem nur so schlank zu bleiben, dass mich die Digitalisierung als Unternehmen nicht komplett auffrisst und ich nicht faktisch überall in den Kinderschuh stecke und mich komplett verhasple und uneffizient werde. Habt ihr da Strategien, gerade weil ihr mit großen Kunden arbeitet und mit kleinen?
Marius Hoyters: Ja, ganz klar. Also es wäre jetzt unauthentisch, wenn ich jetzt nicht sagen würde, wir empfehlen natürlich immer unsere eigenen Produkte, CAD1 und den VTC Manager. Letztendlich bin ich aber auch ganz ehrlich, ist das nicht relevant. Relevant ist der Workflow, relevant ist der Prozess. Du hast gerade das Stichwort Anwendungsfall genannt. Es kommt wirklich darauf an, was möchte ich machen in meinem Projekt, was ist der Anwendungsfall, wo möchte ich am Ende hinkommen Und dann überlege ich mir, mit welchen Werkzeugen kann ich das erreichen? Offene Standards wie das IFC-Format beispielsweise, Modelle auszutauschen, wie das BIM-Collaboration-Format, BCF-Format, Issues, also Probleme wirklich modellbasiert austauschen zu können, sind einfach ein riesen Mehrwert, auch softwareübergreifend, also toolübergreifend entsprechend arbeiten zu können. Und das steht am Ende des Tages auf meinem Fokus, dass es einen Prozess gibt, der funktioniert. Und ich würde das Ganze nicht nur auf Basis der Software oder der Tools begrenzen, sondern es geht auch die Datenprozesse im Hintergrund.
Marius Hoyters: Wenn ich für verschiedene Auftraggeber arbeite, sei es in unserem Fall jetzt die DGES, die Autowahngmärer, aber auch irgendwelche Länder oder sowas, die haben alle ihre eigenen Objektkataloge, alle ihre eigenen Merkmale. Das kann ich als Planer nicht in jedem Projekt von 0 auf bedienen. Das ist zu viel. Und da beraten wir auch einfach den Prozess, dass jedes Unternehmen für sich erstmal einen internen Standard haben muss, einen internen Bürostandard, mit dem es die entsprechenden Anwendungsfälle erfüllen kann. Und wenn das gegeben ist, dann ist am Ende nur noch ein Mapping vom eigenen Objektkatalog, von eigenen Merkmalen auf genau das, was der Auftraggeber sich wünscht. Aber die internen Prozesse, die internen Workflows, die muss man sich quasi anschauen und überlegen, an welcher Stelle habe ich Probleme, Wo muss ich vielleicht das Ganze noch verbessern? An welcher Stelle bin ich auch schon gut aufgestellt mit meinem Partner?
Max: Wenn ich meine Tools habe, ist natürlich ein großer Vorteil von der BildingSmart, dass wir auf diese Standards gehen. Ich habe mitbekommen, die BildingSmart mit dem EFC gibt ja auch einen ganz, ganz klaren Fokus auf IFC-Modelloptimierung in Richtung Infrastruktur.
Marius Hoyters: Das ist
Max: ja eine riesen Bewegung aktuell, auch gerade durch diese ganzen Plakativ-Investitionen, die jetzt auch der Bund
Marius Hoyters: macht.
Max: Ich meine, ich hatte es mir vorhin mal rausgesucht. Es sind allein für den Straßenbau sind für 2026 knapp 10 Milliarden geplant, für die nächsten Jahre genauso. Infrastruktur auf der Schiene, genau das Gleiche für 2026 sind 17 Milliarden Euro geplant und in den folgenden Jahren ein bisschen weniger, aber es sind wahnsinnige Gelder, die da fließen, umfasslich die Schienen, Brücken, Straßen, die ganze Infrastruktur zu erneuern. Und da macht es absolut Sinn, dass eben dieser Informationsaustausch auch mit dem IFC-Modell auf der Basis für diese Infrastrukturprojekte funktioniert, wo nicht nur offene Standards helfen, sondern ja auch definierte Prozess und Workflows. Was wir ganz interessanterweise und das ist eher ein internationaler Shift, was wir mitbekommen ist, dass die ISO 19650, also dieser BIM Workflows, international viel mehr gelebt und nachgefragt wird. In Deutschland, ich weiß nicht wie ihr das seht, aber ich bekomme mit, dass deutsche Kunden faktisch diesen Standard nicht kennen. Also er ist nicht relevant. Ganz, ganz viele Kunden kommen an und sagen, wir haben ja diese Prozesse und ich referenziere gerne auf diesen Bürointernstandard, weil er so schön ist.
Max: Wir haben diese Prozesse, die würden wir anwenden. Das heißt, ich habe überall kleine Könige in den einzelnen Projekten, die sagen, pass auf, das sind die Prozesse, die ich kenne, die will ich machen. Wenn man nachher kommt und sagt, es gibt hier einen Standard, die 1956 beschreibt relativ klar, wann, wo, wer, welche Daten, wie zu liefern hat. Wie schlägt das bei euch ein? Seht ihr das? Merkt ihr das?
Marius Hoyters: Ja, jetzt hast du auch wieder 2 Fragen in der Runde gestellt. Das erste war das Thema Sondervermögen, Investitionen. Du hast recht mit dem, was du sagst. Auf der anderen Seite hat zum Beispiel die Autobahn GmbH momentan einen Investitionsstopp. Das heißt, es werden keine neuen Projekte mehr dieses Jahr vergeben, weil die Autobahn GmbH am Bundeshaushalt dranhängt. Der Bundeshaushalt ist noch nicht verabschiedet worden für dieses Jahr. Das heißt also, die Autobahn GmbH darf momentan nichts ausschreiben, keine Projekte veröffentlichen. Das ist hoffentlich nur ein Shift aufs nächste Jahr.
Marius Hoyters: Dann kommt vielleicht ein kleiner Boost und ein bisschen größere Flut an Projekten, für die wir aber auch die Menschen brauchen, die es abarbeiten können. Von daher, diese politischen Aussagen, wir stellen eine ganze Menge Geld zur Verfügung, schön und gut, da freuen wir uns alle drauf in der Branche. Aber es muss eben auch passieren und momentan läuft es genau anders rum. Das war der erste Teil der Frage und den zweiten, geben wir nochmal Stichwort.
Max: 1956. Genau,
Marius Hoyters: Workflows, richtig. Ich habe hier bei IBM natürlich 2016 angefangen und habe erstmal eine BIM Basic Schulung entwickelt und der Vorgänger der ISO 1956 ist die PASC 1192 aus Großbritannien, die quasi schon genau diesen typischen Workflow beschreibt. Und genau diesen Workflow, Den stelle ich auch in den Schulungen regelmäßig vor. Und genauso beraten wir auch unsere Kunden. Das liegt jetzt wieder an der Rolle. Bin ich gerade Planer oder bin ich vielleicht eher BIM-Koordinator, der die Modelle zusammenfügt und prüft? Dann wird eben unterschiedlich beraten. Aber auch denen sagen wir ganz klar, dass es bestimmte Standards geben muss im Workflow, damit das Projekt überhaupt funktionieren kann. Ich bin jetzt keiner, der darauf schwört, dass gewisse Standards auswendig gelernt werden müssen.
Marius Hoyters: Ob das jetzt die Zahl 1956 ist oder irgendwas anderes oder er einfach nur von mir mitnimmt, dass er seinen Prozess sich anschauen muss und seinen Prozess optimieren muss. Das ist aus meiner Sicht viel wichtiger. Von daher, du hast recht, viele werden die Norm überhaupt nicht kennen. Ich glaube aber auch nicht, dass es notwendig ist, wenn sie wissen, was sie tun.
Max: Ja und nein. Finde ich eine spannende Aussage. Weil, also ja, wenn du deine Prozesse kennst, kannst du sie leben. Bin ich voll bei dir? Nein, weil wenn ich mich gerade anschaue, bei vielen Projekten entwickeln sie, werden ganz oft wirklich neu entwickelt und ich sage hey, es gibt einen Standard. Wenn alle den Standard haben und leben, dann kannst du dir ganz viel Zeit in dieser ersten Einrückphase von so einem Projektteam komplett sparen. Hey, das ist der Standard, das sind die Prozesse, die erfinden wir nicht neu. Das mag wahrscheinlich, aber es sind gute, gute Diskussionen, ist wahrscheinlich ein leicht anderer Flow, wenn ich mir die Autobahn gehe, wie heute Deutsche Bahn, weil die haben sehr, sehr viele Standards. Ich meine, da gibt es auch eine definierte Datenübergabe an das Eisenbahnbundesamt, wann welche Dokumente übergeben werden müssen, wie vollständig das sein muss, inklusive Bindestrich als Trainer und so weiter.
Max: Das ist ja sehr, sehr fein, granular. Aber trotzdem hilft es natürlich zu sagen, es gibt definierte Standards, die sich alle halten. Ich meine, bei der Software ist es klar, weil das Programm mir sagt, hey, kann ich lesen, kann ich nicht lesen. Aber natürlich dieser human angle, wenn ich sage, das ist der Prozess, dann kriegt ihr ja, okay, kenn ich. Man stellt sich fest, ah, der ist doch slightly anders, also der ist auch ein bisschen anders, muss man doch wieder justieren. Da hilft es natürlich, sich an Standards zu orientieren.
Marius Hoyters: Vielleicht sollten wir sogar, und da möchte ich dazu stimmen, sogar mehr Werbung für den Standard machen. Denn ganz häufig ist es ja so, dass Leute oder dass Ingenieure eben nicht anfangen mit der BIM-Methodik, mit dem virtuellen Planen und Bauen, weil denen die Standards fehlen. Und die Standards, die vielleicht da sind, sind vielleicht nicht bekannt. Von daher ist es eine Mischung, oder ziemlich sicher ist es eine Mischung aus beidem.
Max: Klar, der Software ist ganz oft black and white. Das Format kann ich, das Format kann ich nicht. Bei den Menschen ist es dieser Zwischenbereich im Sinne von, ich verstehe, was du meinst, aber ich mache es dann ein bisschen anders. Beziehungsweise diese erste Phase, wenn die Projektteams sich zusammenfinden, gucken, wie sie miteinander austauschen. Aber es würde natürlich extrem helfen Und es würde die Prozesse natürlich beschleunigen und auch klarer machen, auch die Verantwortlichkeiten klarer machen. Was aber spannend ist, wenn man sich das anschaut, wir planen digital, wir tauschen Dokumente aus digital und zunehmend mehr teilweise auch die Diskussion anschaust jetzt auch gerade in den großen Herstellern, dass du teilweise irgendwo so ein Live-Modell hast, was sich sofort aktualisiert, wenn irgendjemand etwas speichert und ändert und das alles durchläuft. Dabei haben aber die Ingenieure unverändert eigentlich, oder andersrum, die Ingenieure haben eigentlich viel mehr Verantwortung als früher, richtig?
Marius Hoyters: Nicht richtig, weil die Verantwortung, die ist in den Verträgen festgeschrieben und die Verträge sind identisch. Ich würde sogar sagen, durch neue Tools kann der Ingenieur oder Ingenieurin sich sicherer sein, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden kann. Das heißt, neue Prüfmechanismen durch neue Modellierungsmechanismen haben eine viel höhere Sicherheit später eben dann auch für Termine und Kosten. Die Verantwortung ist dieselbe. Was man vielleicht sagen kann, es gibt das Stichwort gläserner Planer, das heißt Verantwortung ist leichter durchsetzbar. Das heißt, wenn jemand seiner Aufgabe nicht nachkommt, das ist dann protokolliert. Das kann man sehr gut nachvollziehen. Aber die Verantwortung selbst ist meiner Meinung nach gleichbleibend.
Max: Ja, stimmt. Unter der Maßgabe, dass du nur im Planungsbereich bist, ja. Hast du recht. Wenn du weiterdenkst, ist der Punkt, und der ist ja wahrscheinlich eher gegeben, wenn du sagst, die Planung an sich ist transparenter, ja. Wenn ich sie plane, muss ich aber an den Betrieb denken und müssen im Sinne von, wenn es vertraglich nicht definiert ist, denke ich nicht dran, klar. Aber theoretisch die Verantwortung ist schon zu sagen, hey, wenn ich das baue und das in der Art und Weise ausführe, habt ihr euch Gedanken gemacht, wie das langfristig funktioniert, wie ich das betreiben kann. Von daher, du hast recht, die Verantwortung liegt nicht zwingend beim Ingenieur, sondern die Verantwortung liegt vielmehr beim Inhaber.
Marius Hoyters: Aber das, was du gerade sagst, wenn ich unterbrechen darf, sorry, War das denn mit 2D-Planen anders? Hätte nicht der 2D-Planer, der konventionell plant, auch schon den Betrieb mitdenken sollen?
Max: Theoretisch ja, in anderen Ländern ist das der Fall, in Deutschland nicht. Also von
Marius Hoyters: daher, ich glaube, die Verantwortung hat sich da in der Schweiz nicht geändert, aber sie wird offensichtlicher. Das kann man vielleicht so sagen.
Max: Deutlich transparenter, weil ich es vorher alles visualisieren kann im 3D mit zusammenhängenden Daten und Dämmwerten, Belastungswerten, Lebenszykluswerten und und und. Definitiv.
Marius Hoyters: Ja, bin ich bei dir.
Max: Sehr schönes Gespräch, Marius. Danke. An der Stelle kurz kurz zwischen Feedback. Ich finde es super spannend, deine Einblicke zu haben und auch die Diskussionen voranzuführen. Interessant vor allem die Aussage, dass die Planung an sich inhaltlich und auch die Verantwortung bei den Ingenieuren ja faktisch gleich bleibt und einfach transparenter wird, was, wann, wie gemacht wird und auch die Ausführungen damit transparenter gemacht werden, finde ich super spannend. Und was mir zum Beispiel neu war, ist, dass man die, ganz plakativ, die DIN-basierten Regelwerke softwareffizieren kann. Das Wusste ich bis dato nicht in der Art und Weise, macht aber absolut Sinn, weil der Straßenbahnquerschnitt 45 halt derselbe Straßenbahnquerschnitt 45 ist und du das damit anpassen kannst und damit natürlich die Planung und auch die Ausführung konkreter und normgerechter planen kannst. Finde ich super.
Max: Hast du was, was du als zentrale Botschaft mitgeben möchtest, Marius?
Marius Hoyters: Ja, also ich kann das auch nur wiederholen. Ich glaube, im Fokus steht nach wie vor oder vielleicht heute viel mehr als früher noch der Mensch, dass man sagen muss, wirklich, Wir haben jetzt neue Werkzeuge, neue Tools von diversen Software-Herstellern. Wir haben eine neue Art zu planen. Ich habe den Begriff digitaler Ingenieurbau-Kunst in den Begriff reingeworfen. Kunst ist immer menschlich. Das kann eine Maschine nicht in der Form übernehmen. Jetzt haben wir aber digitale Werkzeuge, damit einfach besser umgehen zu können. Von daher kann ich nur jeden motivieren, einfach mal das Thema anzugehen, sich die Mehrwerte zu erarbeiten.
Marius Hoyters: Es ist ein Stück weit Arbeit am Anfang, ganz klar, aber dann werden sie auch kenntlich werden, die Mehrwerte wirklich virtuell zu planen und dann später auch zu bauen. Ich hätte noch
Max: ein paar persönliche Fragen an dich ganz zum Ende.
Marius Hoyters: Da bin ich jetzt aber gespannt.
Max: Was ist aus deiner Sicht das meist unterschätzte Werkzeug innerhalb des WTC-Baukastens? Offensichtlich
Marius Hoyters: sind natürlich die Sachen, über die wir gesprochen haben, 4D, 5D-Planung, da gibt es überall Werkzeuge für, aber die Möglichkeit, sich auch eigene Workflows zu automatisieren über kleine Skripte oder eben durch Partner wie uns, Das eröffnet ganz neue Welten. Und den VDC-Manager kann man so flexibel für ganz viele Anwendungsfälle, die auch erstmal nichts mit BIM zu tun haben, einsetzen, über die offene Schnittstelle. Und ich glaube, das ist das, was bisher am wenigsten gesehen wird. Was ist dein Lieblings-Infrastrukturprojekt? Wir sind ja selbst nicht direkt in Projekten drin, aber ich habe schon mal auf dem Schreibtisch gehabt, zum Beispiel das Autobahndreieck Funkturm in Berlin. Da ist es einfach Wahnsinn, wie viele Trassen dort in welchen Bauzuständen dargestellt werden und so was. Das ist einfach ein total beeindruckendes Projekt.
Max: Wo es wahrscheinlich auch wahnsinnig komplex ist, das bestehende Ökosystem ringsum, also bestehende Leitungen, bestehende Straßen, bestehende Kabel und Gebäude inklusive der ganzen fragilen Erdarbeiten, die damit dazukommen, das alles aufzunehmen, bevor ich überhaupt in die Ausführungsplanung gehen kann. Die Komplexität ist da ja extrem hoch.
Marius Hoyters: Und dann, wie gesagt, vor allem in jeder Bauphase nochmal neu geplant. Das ist sehr, sehr komplex.
Max: Was ist dein Lieblingsbranchen-Buzzword, was du gerne abschaffen möchtest? Also dir vielleicht ein Feedback zu geben, ich persönlich würde am liebsten den Begriff BIM abschaffen. BIM ist Stand heute 1 zu 1 assoziiert mit dem 3D-Modell, weil das noch aus dieser frühen Phase der Digitalisierung kam. Aber BIM ist heute viel, viel mehr als dieser Begriff eigentlich bei den meisten assoziiert. Das heißt, wenn ich könnte, würde ich BIM abschaffen und sagen, es gibt ein 3D-Modell und es gibt jede Menge Informationen dazu. Und das ist eigentlich Richtung digitaler Zwilling. Also egal wie du es drehst, wenn es ein digitales Zwilling ist, finde ich Stand heute viel zutreffender als einfach diesen Begriff BIM als Buzzword.
Marius Hoyters: Ja, da würde ich das widersprechen, weil BIM eben auch der Faktor Mensch ist. Und den hast du eben beim digitalen Zwilling und beim virtuellen Planen und Bauen erst mal so nicht mit drin. Aber in der Methodik Bildung, Information Modeling oder Bildung, Information Management, das ist jetzt ja auch die Frage, wofür wir uns übersetzen, ist eben der Menschen ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Und deswegen finde ich das Wort überhaupt nicht schlimm, sondern es müsste nur verstanden werden. Ich glaube, dass das schlimmste, das Buzzwort ist das Thema Vorgaben, weil alle möglichen Leute auf Vorgaben warten, sei es immer Vorgaben der Auftraggeber, auf Vorgaben von irgendwelchen Objektkatalogen etc. Nein, wir brauchen keine Vorgaben. Wir können einfach selber anfangen, ausprobieren und den Mehrwert selbst erkennen.
Max: Also Learning by Doing, so ein bisschen autodidaktisch.
Marius Hoyters: Absolut. Und das am besten mit einem Partner, der das schon in Erfahrung hat. Und dann
Max: ist es weniger autodidaktisch, als eher geführt. Back to school. Beides. Was muss die Branche in diesem Jahr unbedingt richtig machen? Ich meine, das halbe Jahr ist rum. Was machen wir in der zweiten Jahreshälfte richtig?
Marius Hoyters: Vielleicht mal den Bundeshaushalt verabschieden, damit wir wieder weitere Projekte ausschreiben oder mit der Ortewann geben, wo wir herkommen oder auch andere öffentliche Auftraggeber weitere Projekte ausschreiben können. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Ich möchte hier gar nicht so ein Schwarzmaler sein, sondern wenn man sich die letzten knapp 10 Jahre anschaut, wo wir vor 10 Jahren waren, wo wir heute sind, wir sind auf einem sehr guten Weg und den müssen wir einfach weitergehen und dranbleiben. Also wir müssen dranbleiben. Das ist, glaube ich, das A und O.
Max: Und dranbleiben wahrscheinlich auf allen Ebenen. Also die Menschen mitnehmen, die die Softwarelandschaft kompatibel zueinander machen, die Prozesse sauber leben, gemeinsam und nicht neu erfinden, also nicht jedes Mal neu erfinden, weil das kostet auch wahnsinnige Gelder, deutschlandweit gesehen, wenn jedes Projektteam sich neu findet. Und definitiv sich dafür das Bewusstsein schaffen, dass diese Tools mehr und mehr kommen, uns helfen. Aber dass damit auch ein Risiko einhergeht, dass ich sehr, sehr viele Dinge übersehen kann, dass ich viele Dinge drüber fliege und nicht bedenke, nur weil das Tool sie für mich mitdenkt. Also dieses kritische Denken ist eine Sache, die dürfen wir nicht ganz außen vor lassen. Ich nehme mal ein extremes Beispiel, wenn ich heute Chet-Chi-Pu-Ti oder andere KI-Tools nehme, muss ich ja mal einschätzen, was kommt da raus. Und wenn ich jetzt Digitalisierungstools habe für die Modellierung, muss man trotzdem überlegen, welche Beton-Klassifizierung nehme ich mit in dem Erdgeschoss bei dem Hochbau. Also dieses Mitdenken ist nachher vor unverändert kritisch, wo es definitiv Ingenieure braucht und wo es dann Richtung digitalen Knöppelkunst geht.
Max: Absolut.
Marius Hoyters: Wir können unsere Software und wollen auch gar nicht keinen Ingenieur ersetzen, überhaupt gar nicht. Aber wir geben den Ingenieuren Tools mit auf den Weg, damit sie ihre Prozesse selber eigenständig besser in 1 kürzeren Zeit durchführen können. Perfekte letzte Worte.
Max: Vielen Dank, Marius. Und auch vielen Dank an alle Zuhörer, die sich hier schon eingeschaltet haben oder hier noch dran geblieben sind bis zum Ende. Wir werden in den nächsten Folgen weiter über Digitalisierung sprechen, über alles, was die Bauindustrie in der Form so bewegt und was uns voranbringt in der Form. Danke Marius, dass du heute unser Gast warst und so viele Einblicke auch in Infrastrukturprojekte in eure Firma und auch in deine Erfahrung geben konntest.
Marius Hoyters: Ja, vielen Dank, dass ihr mich eingeladen habt. Ich habe gerne was dazu beigetragen. Und die Leute, die mich kennen, die wissen, ich würde wieder die Wette abschließen, dass wir in den nächsten 10 Jahren hoffentlich keine Pläne mehr brauchen und nur noch modellbasiert arbeiten. Und ich denke, mit starken Partnern wie ThinkProject und IB&T ist man dort auch sehr gut aufgestellt. Also, falls da Fragen sind, gerne auch einfach auf uns zukommen oder LinkedIn, ist immer eine gute Basis. Danke!
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